Obsessive Collectors

Brunnenstrasse

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Brunnenstrasse

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Arno Brandlhuber
brandlhuber.com

“Wie konnte ein bescheidenes Haus in einer der unzähligen Baulücken Berlins ein solches Medienecho auslösen? Die ungewöhnlich breite Rezeption, die das Galerie­ und Atelierhaus in der Brunnenstraße erfahren hat, verweist darauf, dass es hier nicht in erster Linie um „gute“ Architektur geht. Vielmehr basiert dessen Erfolg darauf, in einem spezifischen Moment der marktkonformen Berliner Stadtentwicklung auf unterschiedlichen Ebenen Handlungsperspek­ tiven eröffnet zu haben. Es zeigte einen Ausweg aus den ideologisch verhärteten Fronten der Stimmann-­Ära, indem es deren rigide Vorgaben mit einer berlinspezifischen „Aneignungskom­petenz“ konfrontierte und in zeitgenössische Architektur übersetzte – jenseits der Retroästhe­tik der sogenannten Berlinischen Architektur und deren konservativem Gesellschaftsbild.

Indem Brandlhuber zugleich als Architekt und Bauherr agierte, konnte er Gestaltungs­räume zurückerobern und Antworten auf die Frage der Zugänglichkeit durch niedrige Baukos­ten, reduzierte Standards und Programmmischung erproben. Dabei wurde eine Investoren­ruine in Berlin­-Mitte, deren Kellergeschoss jahrelang halbfertig vor sich hin rottete, in einen„bewohnbaren Rohbau“ verwandelt. Dadurch lädt das Gebäude zur Aneignung ein: Die außenliegende Erschließung, seit dem Kölner Brett (0019, Köln, 1997–2000) ein wiederkehrendes Motiv in Brandlhubers Pro­jekten, ermöglicht größtmögliche Flexibilität im Inneren. Die Grundrisse erzeugen keinerlei funktionale Festschreibung, sie ermöglichen Nutzungen als Atelier­, Arbeits­ und Wohnräume. Transformation und Adaption werden durch roh belassene Oberflächen und offen verlegte Lei­tungen gewährleistet und lesbar gemacht; die Fassade aus Polycarbonatplatten wird als „Mini­malausstattung“ verstanden, die der Nutzer nach Wunsch verändern und upgraden kann.

Der Idee der Aneignungskompetenz wird das Gebäude also doppelt gerecht: Indem es sich einerseits nach außen hin konsequent an den Gegebenheiten der Umgebung orientiert und dabei zwischen einem direkten, rotzigen „Kontextualismus“ und einer rigorosen Fuck­-the-­contex-t­Haltung oszilliert. So werden die Geschosshöhen der Nachbargebäude aufge­nommen und in einem Deckenversprung aufgelöst, darüber hinaus vermittelt die trapezoide Ausbildung des Dachs zwischen den benachbarten Bauten und sorgt für eine optimale Belich­tungssituation des Hinterhauses. Andererseits ist es im Inneren zugleich klar unterdetermi­niert und steht so für die verschiedensten Nutzungen offen.”
(Text: brandlhuber.com)

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Tags: #abandoned, #place
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Published on 11/03/2013

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